

Auch wenn unsere natürliche Begrünung Platz für Flora und Fauna schafft, bleibt der Weinberg eine landwirtschaftliche Monokultur. Das macht ihn besonders anfällig für bestimmte Pilzkrankheiten, die sich unter günstigen Bedingungen schnell ausbreiten und im Extremfall eine komplette Ernte gefährden können. Auf einen gezielten Pflanzenschutz kann deshalb auch der Biowinzer nicht verzichten.
Wenn man von „Spritzen“ oder „Spritzmitteln“ spricht, muss man zunächst drei Kategorien unterscheiden: Insektizide, Herbizide und Fungizide.
Insektizide sind Pflanzenschutzmittel, die gezielt gegen schädliche Insekten eingesetzt werden. Da es nur wenige Insektenarten gibt, die im Weinberg tatsächlich größere Schäden verursachen, sind wir der Auffassung, dass auf Insektizide vollständig verzichtet werden kann. Die Kräuselmilbe beispielsweise lässt sich im Frühjahr mit reinem Pflanzenöl, das auf die jungen Austriebe gespritzt wird, wirksam eindämmen.
Herbizide dienen der Unkrautbekämpfung. Eine natürliche Begrünung zwischen den Rebstöcken ist für uns jedoch kein Unkraut, sondern Bestandteil unseres Weinbergs. Bei uns wächst deshalb grundsätzlich, was sich dort von selbst entwickelt. Damit die Begrünung nicht überhandnimmt, wird sie regelmäßig gemulcht, also abgemäht und zerkleinert. Herbizide kommen bei uns daher nicht zum Einsatz.
Die Komplexität des Zusammenspiels zwischen Pflanzen, Insekten und anderen Lebewesen ist weitaus größer, als es sich auf einzelne Schädlinge reduzieren lässt. Durch unsere natürliche Begrünung schaffen wir Lebensräume für zahlreiche Nützlinge. Dadurch können wir den Bedarf an Pflanzenschutzmaßnahmen gering halten. Der Einsatz von Insektiziden und Herbiziden würde diesem Prinzip widersprechen und die über Jahrzehnte entwickelte Flora und Fauna in unseren Weinbergen beeinträchtigen.
Fungizide werden gegen Pilzkrankheiten eingesetzt und gehören zu den wichtigsten Pflanzenschutzmitteln im Weinbau. Auf einen wirksamen Schutz gegen Pilzkrankheiten kann kein Weinbaubetrieb vollständig verzichten – auch der ökologische Weinbau nicht.
Besonders interessant ist dabei der Blick auf Kupfer: Kupfer ist im ökologischen Weinbau ein zugelassener und bis heute wichtiger Wirkstoff gegen Pilzkrankheiten. Gleichzeitig handelt es sich um ein Schwermetall, das im Boden nicht abgebaut wird und sich bei wiederholter Anwendung anreichern kann. Das Umweltbundesamt bezeichnet Kupfer deshalb ausdrücklich als kritisch. Höhere Kupferkonzentrationen können Bodenorganismen schädigen, darunter auch Regenwürmer. Auch für andere Organismen können erhöhte Konzentrationen problematisch sein.
Das führt zu einem für uns bemerkenswerten Widerspruch: Ein Pflanzenschutzmittel kann nach den Regeln des ökologischen Landbaus zugelassen sein und trotzdem eine langfristige Belastung des Bodens darstellen. Das Umweltbundesamt beschreibt Kupfer als einen der problematischen Stoffe im Ökolandbau und weist darauf hin, dass die Abhängigkeit vom Kupfereinsatz insbesondere im Weinbau hoch ist. Bisher gibt es für den ökologischen Weinbau kein gleichwertiges Mittel, das Kupfer vollständig ersetzen kann. Das Umweltbundesamt informiert ausführlich über Kupfer im Ökolandbau.
Wir verzichten deshalb auf Kupfer als Pflanzenschutzmittel. Stattdessen setzen wir zur Bekämpfung von Pilzkrankheiten je nach Witterung und Befallsdruck gezielt biologische und chemisch-synthetische Fungizide ein. Bei der Auswahl achten wir auf einen gezielten Einsatz und darauf, unnötige Behandlungen zu vermeiden. Dabei berücksichtigen wir auch die Eigenschaften und das Abbauverhalten der jeweiligen Wirkstoffe.
Um einer Resistenzbildung vorzubeugen, wechseln wir die eingesetzten Wirkstoffgruppen gezielt und kombinieren unterschiedliche Maßnahmen. Dadurch soll verhindert werden, dass Pilzerreger gegen einzelne Wirkstoffe unempfindlich werden und dadurch immer höhere oder häufigere Anwendungen erforderlich werden.